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Wie ein Phönix aus der Asche: Die Geschichte meiner Tattoos als Ausdruck der Persönlichkeit

Tattoos als Ausdruck der Persönlichkeit

“Be the change you want to see in the world”, sagte einmal der indische Politiker und Vater des gewaltlosen Widerstandes, Mahatma Ghandi. Passend zu diesem Zitat, das ich ohne Übertreibung für einen Schlüssel zum persönlichen wie auch globalen Frieden betrachte, möchte ich in diesem Blogbeitrag auf das Thema Veränderung eingehen – bzw. wie du einen wahren Glückskreislauf in Gang setzen kannst: Schließlich dreht sich bei superSTRONGshe alles darum, wie du durch körperliches Krafttraining gleichzeitig auch eine enorme innere Stärke entwickelst. Aber damit ist deine persönliche Transformation noch längst nicht zu Ende: Denn umso mehr sich deine Seele / dein Geist (oder wie auch immer du es nennen magst) entfaltet, desto größer ist wiederum der Einfluss auf die äußere Welt – von einer eindrucksvolleren Wirkung auf die Menschen, denen du tagtäglich begegnest, bis hin zu einem ausdrucksstärkeren Erscheinungsbild. Als Beispiel hierfür und auf vielfachen Community-Wunsch hin gibt es daher heute endlich einen Erfahrungsbericht von mir, wie Tattoos als Ausdruck der Persönlichkeit “mitwachsen” können – ggf. in Form sogenannter Cover-Ups!

Es begann mit einem Arschgeweih … 😉

Vielleicht hast du auch schon mal irgendwo gehört oder gelesen, dass man als Mensch etwa alle sieben Jahre eine bemerkenswerte Phase des Wandels durchläuft. Zumindest für mein 21. Lebensjahr kann ich das aus eigenem Erleben voll und ganz bestätigen: Denn zum einen hatte ich nach 5 gemeinsamen Jahren schweren Herzens die Beziehung zu meiner Jugendliebe beendet und stand zum anderen vor dem Abschluss meiner Ausbildung als Erzieherin – mit der Gewissheit, mich beruflich noch mal vollkommen umorientieren zu wollen.

Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, was genau mich (und meine Schwester) damals angetrieben hat, uns auf den Weg zu einem Tätowierer zu machen und uns jeweils ein Motiv auszusuchen. Aber wahrscheinlich war es ähnlich, wie wenn man bei beruflichen Veränderungen oder Umwälzungen im Privatleben das Gefühl hat, dringend einen ganz neuen Haarschnitt zu benötigen – mit dem Unterschied, dass die Tinte eines Tattoos eben für immer “unter die Haut geht”.

Arschgeweih
(c) Andrea Temminghoff

Abgesehen davon, dass die Entscheidung für ein Tribal über dem Steißbein schnell zu einer Art Modesünde wurde, passte diese bleibende Erinnerung im Rückspiegel betrachtet aber erschreckend gut zum weiteren Verlauf des Jahres: Denn nur wenige Monate später kam meine Jugendliebe bei einem Motorradunfall ums Leben – nachdem wir einander gerade erst wieder in sanften Schritten angenähert hatten…

Teuflische Zeiten

Mit dem Verlust des Menschen, mit dem ich sozusagen erwachsen geworden war und dem ich mich einfach unsagbar tief verbunden fühlte, hatte ich sehr, sehr lange zu kämpfen. Auch wenn es gemeinhin heißt, nach rund 24 Monaten würde die Trauer ein wenig nachlassen: Als ich meine beste Freundin 2,5 Jahre später in das altbekannte Tätowierstudio begleitete, lebte ich immer noch in einer irgendwie unwirklichen Welt, die ich – zum Schutz meines gebrochenen Herzens – mit jeder Menge Watte vollgepackt hatte.

Weitestgehend abgeschirmt von Gedanken an das Morgen oder gar eine weit entferntere Zukunft, begab ich mich also spontan ebenfalls unter die Nadel: Nachdem meine Gefühle ja großenteils abgeschaltet waren, hatte ich unterbewusst wahrscheinlich den Wunsch, auf diesem Wege endlich mal wieder etwas zu spüren – und sei es in Form von Schmerzen (die aufgrund der geringeren Größe und des weniger empfindlichen Schulterblatts allerdings deutlich geringer ausfielen als beim Arschgeweih, für das die Tattoomaschine insbesondere im Bereich der Wirbelsäule über etliche Nervenbahnen gerattert war).

Teufel
(c) Andrea Temminghoff

Auch sprach mir das Motiv – ein Teufelchen in Windeln – aus Seele: Einerseits, weil ich damit Gott – oder wem / was auch immer – bildlich gesprochen den Stinkefinger zeigen konnte, nachdem er / sie / es mir ohne erkennbaren Grund den Boden unter den Füßen weggerissen hatte. Und andererseits, weil dieses lächerliche Kerlchen widerspiegelte, dass ich derzeit absolut gar nichts mehr am Leben ernst nehmen konnte – weder die guten, noch die furchtbaren Seiten.

Zeh olé – Anstoß zur 2. Halbzeit

Danach passierte lange Zeit gar nichts… Zumindest in Sachen Körperkunst! 😉 Dafür bewegte sich in mir drinnen immer mehr: Ich holte mein Abitur nach, schloss mein Studium ab und darf bis heute in meinem Traumberuf als Redakteurin arbeiten. Zu den Erfolgen im Job, die mir langsam aber sicher mein Selbstbewusstsein zurückgaben, gesellte sich viele Jahre später auch wieder das Glück in der Liebe. <3 Und spätestens, seitdem ich Functional Fitness für mich entdeckt habe, strotze ich nur so vor Lebensfreude und Energie…

Im Sommer 2017 war es dann soweit: Aus dem Schalk im Nacken wurde sozusagen ein Geißbock auf dem Zeh geboren! Dazu musst du wissen, dass ich seit Kindesbeinen an ein glühender Fan das 1. FC Köln bin und den Verein immer als eine Art Konstante gesehen habe – unabhängig von dessen Ab- und Aufstiegen und meinen eigenen Höhen und Tiefen. Was gab es also Schöneres, als mir zu Ehren dieses spürbar anderen Fußballclubs einen “F-Zeh” stechen zu lassen?!

F-Zeh
(c) Andrea Temminghoff

Diese herrlich bekloppte Aktion dauerte zwar nicht mal eine halbe Stunde – aber danach war ich plötzlich wie angefixt: Das Arschgeweih und der Teufel hatten mich (außer im Bikini am Strand) 15 Jahre lang nicht großartig gestört, weil ich sie aus oben genannten Gründen als wichtigen Teil meiner Geschichte angesehen hatte. Aber wenn mich mein Rücken auf Dauer wieder richtig entzücken sollte ;-), musste damit natürlich irgendwann mal etwas Entscheidendes passieren.

Von einer wachsenden Idee …

Mein erster Gedanke war, einen Baum als Cover-Up machen zulassen – also das Tribal mit dem Wurzelwerk überdecken zu lassen und den Teufel mit den zufrieden im Wind schaukelnden Blättern einer erhabenen Krone. Im Idealfall sollte es eine Art “Tree of life” sein, dessen Fundament in der Mythologie unserer Vorfahren das Erdreich bildet und der den Himmel auf seinen Wipfeln trägt. Alternativ konnte ich mir auch das Abbild von Buche, Eiche oder Birke vorstellen, auf denen ich als kleines Mädchen wie wild herum geklettert bin: Hauptsache, es kamen meine tiefe Verbundenheit zur Natur und meine neu gewonnene, leidenschaftliche Hingabe an das Sein zum Ausdruck!

Baumtraum
(c) Andrea Temminghoff

Doch so viele unterschiedliche Tätowierer ich in der Folge auch besuchte, hielt keiner dieses Projekt für umsetzbar. Zu düster und massiv (statt locker und leicht) hätten allein die Wurzeln werden müssen – vor allem aber brauchte es eine größere, dunklere Fläche, um den Teufel ein für alle Mal verschwinden zu lassen. Und um den ging es mir in erster Linie, wohingegen ich mit dem Arschgeweih durchaus hätte weiterleben können… Anstelle eines “ganzheitlichen” Motivs also doch weiter Stückwerk auf dem Rücken, sprich: Das altbewährte Tribal unten und etwas rundum Neues oben auf der Schulter – zum Beispiel eine Feder, aus der sich ein paar Vögel hervorschwingen???

… hin zum Phönix aus der Asche

“Nein”, sagte ich mir, “wenn schon, denn schon!” Doch gleichzeitig macht es *Klick* und die Lösung lag auf der Hand: Ein Phönix würde alle Aspekte, die mir bezüglich meines zukünftigen Tattoos im Kopf herumschwirrten, vereinen! Nicht nur als Symbol für Freiheit und das Überwinden selbst auferlegter Grenzen, die ich seit Jahren immer und immer wieder beim Homeworkout mit Bodyweight-Exercises sprenge, sondern auch, weil dieses Fabelwesen jedes Mal am Ende seines Lebenszyklus’ verbrennt und aus der Asche wiederaufersteht – ganz so, wie ich selbst nach einer nahezu erdrückenden Leidenszeit doch noch zu neuem Mut gefunden habe.

Phönix-Tattoo Konturen
(c) Andrea Temminghoff
Phönix-Tattoo Fortschritt
(c) Andrea Temminghoff
Phönix-Tattoo Rücken
(c) Andrea Temminghoff

Mit dem Besuch eines Kölner Studios, das zur Krönung des Ganzen tatsächlich den Namen “Reinkarnation” trägt, hat sich der Kreis schließlich für mich geschlossen: Dort habe ich mit Arran nicht nur einen der womöglich besten Tätowierer der Welt gefunden, sondern auch einen unvergleichlichen Künstler sowie einen durch und durch bemerkenswerten Menschen kenn- und schätzen gelernt.

Schau bei Interesse gerne mal auf seinem Instagram-Account vorbei und hinterlasse liebe Grüße von mir (= “the strong girl with the female phoenix”)… 😉 Außerdem freue ich mich wie immer riesig über einen Kommentar von dir: Was hältst du von Tattoos, Piercings oder anderem Körperschmuck? Durch welche Challenges und Transformationsprozesse musstest du dich in deinem Leben schon kämpfen? Und welche Erfahrung hast du bislang mit den “Wechselwirkungen” zwischen der äußeren und inneren Kraftentfaltung gemacht? Ich bin gespannt auf deine persönliche Geschichte und melde mich nächste Woche wieder mit weiterem Input für rundum starke Powerfrauen!

Ach so: Und wenn du dir meinen geliebten Phönix noch mal “live in action” bzw. als Bewegtbild anschauen möchtest, schaue gerne hier bei meinem Video über Tattoos als Ausdruck der Persönlichkeit auf meinem youtube-Kanal vorbei!

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